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Kartieranleitungen in Nordrhein-Westfalen


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Erläuterungen zur Bewertung von FFH Lebensraumtypen

Stand: Juni 2004 von

Dr. G. Verbücheln, M. Börth, Dr. D. Hinterlang, Th. Hübner, C. Michels, Dr. A. Neitzke, H. König, Dr. A. Pardey, U. Raabe, Dr. M. Röös , Th. Schiffgens, Dr. J. Weiss, Dr. R. Wolff-Straub

Die Erfassung der Lebensraumtypen (LRT) erfolgt auf der Grundlage der FFH-Kartieranleitung! Die nachstehenden Erläuterungen zur Bewertung beziehen sich jeweils auf die gemäß Kartieranleitung definierten LRT.

Für alle in NRW vorkommenden FFH-Lebensraumtypen sind Bewertungsbögen zur Bewertung des Erhaltungszustandes nach folgendem Schema erarbeitet worden:

Bewertungsschritt, Phase 1:
Bewertung der Teilfläche (entspricht immer Biotoptyp (BT) nach Kartieranleitung

Vollständigkeit der lebensraumtyp. Habitatstrukturen A
hervorragende Ausprägung
B
gute Ausprägung
C
mittlere bis schlechte Ausprägung
Vollständigkeit des lebensraumtypischen Arteninventars A
lebensraumtypisches Arteninventar vorhanden
B
lebensraumtypisches Arteninventar weitgehend vorhanden
C
lebensraumtypisches Arteninventar nur in Teilen vorhanden
Beeinträchtigungen, 
z.B.
- Eutrophierung
- Entwässerung
- Andere
A
gering
B
mittel
C1
stark
C2*
Irrevers. gestört;
nicht regenerierbar

Das jeweilige Bewertungsschema ist anzuwenden auf jede einzelne LRT-Teilfläche eines FFH-Gebietes. Je Lebensraumtyp in einem FFH-Gebiet kann es also zur Bewertung einer bis vieler Teilflächen kommen.

*Die Bewertung mit C2 (nur relevant im Falle von Wiederholungsuntersuchungen) bedeutet quantitativer Verlust der Teilfläche als FFH-Lebensraumtyp.

Hinweise zur Flächeneinteilung

Unter Berücksichtigung der Kriterien der FFH-Kartieranleitung sind als Teilflächen Biotoptypen (BT) abzugrenzen; Fremdbestände größer als 1000 qm im Wald bzw. größer als 100 qm im Offenland, die nicht den Lebensraumtypenkriterien entsprechen, können im Teilflächen-Komplex eingeschlossen sein (maximal bis 10% der Teilfläche), ansonsten sind sie auszugrenzen;

Sollten Teilflächen eines Biotoptyps (mindestens > Mindesterfassungsgröße) einer bisher einheitlich kartierten Teilfläche deutliche Beeinträchtigungen im Sinne einer C-Gesamtbeurteilung aufweisen, sollte eine Aufteilung und gesonderte Bewertung erfolgen!

Hinweise zur Bewertung der Teilfläche:

Bewertung der Teilfläche (Phase 1) aus den Teilwerten* für die Struktur, das Arteninventar und die Beeinträchtigungen : Die Vergabe von 1xA, 1xB und 1xC ergibt B; im Übrigen entscheidet Doppelnennung über die Bewertung des Erhaltungszustandes der Teilfläche; Ausnahme: bei Vorhandensein einer C-Einstufung ist keine Bewertung mit A mehr möglich;

Die Ermittlung der Teilwerte erfolgt analog, außer:

  • wenn im Falle der Kriterien Arteninventar oder Beeinträchtigungen 1 x A und 1 x B angekreuzt wurden, entscheidet der Kartierer gutachterlich über den Teilwert
  • wenn im Falle der Strukturen 1 x A und 2 x C angekreuzt wurde, lautet der Teilwert C;

In der Rubrik „Beeinträchtigungen“ werden alle Beeinträchtigungen genannt, die obligatorisch zu berücksichtigen sind. Unter „Weitere Beeinträchtigungen“ werden in den Bewertungsbögen Beispiele für Beeinträchtigungen aufgeführt, die zusätzlich bewertungsrelevant sein können. Dem Kartierer obliegt die Entscheidung, ob er diese oder eventuell auch andere Beeinträchtigungen beim Teilwert „Beeinträchtigungen“ berücksichtigt.

Es ist zu berücksichtigen, dass die vorliegende Bewertung nicht jeden theoretisch denkbaren Einzelfall abdecken kann. Im Rahmen der gutachterlichen Freiheit kann in Einzelfällen, wenn erforderlich, von den Vorgaben abgewichen werden. Dies muss nachvollziehbar begründet schriftlich auf dem BT-Bewertungsbogen und im entsprechenden Bemerkungsfeld der Sachdaten eingetragen werden.

Einige Beispiele:

  • Für die Pillenfarngesellschaft gelten nicht die Angaben zu Artenzahlen unter LRT 3130, da sie typischerweise eine 1-Artgesellschaft ist.
  • LRT-(Teilwerte) können ggf. aufgewertet werden, wenn sie innerhalb eines BT Mosaike mit anderen LRT bilden. Dies kann z. B. zur Aufwertung von Heiden führen in die kleinflächig gut ausgebildete Sandtrockenrasen eingestreut sind.
  • Der Teilwert „Vollständigkeit des LR-typischen Arteninventars“ in mageren Flachlandmähwiesen (LRT 6510) mit wenigen Kenn- und Trennarten allerdings zusätzlich mit Arten der Kalk-Halbtrockenrasen (LRT 6210) kann unter Nennung der relevanten Arten aufgewertet werden.
  • In Einzelfällen können auch angrenzende BT’s bei der Bewertung eines LRT berücksichtigt werden, sofern sie bewertungsrelevant sind; z. B. Röhrichte, Erlenwald, Großseggenrieder, die als eigene BT neben dem LRT 3150 (natürlicher eutropher See) kartiert wurden.

Der auf diese Weise ermittelte Gesamtwert kann begründet unter Berücksichtigung

  • der Lage der LRT im ökologischen Verbund (komplex) zu angrenzenden LRT bzw. aufgrund der guten Verteilung der verschiedenen Altersphasen in Waldgebieten sowie
  • Vorliegender faunistischer (gfs.) im Wald auch floristischer (z.B. Geophyten, Orchideen, Moose, Flechten etc.) Daten aufgewertet werden
  • Ökologisch relevante Störeinflüsse durch Zerschneidung oder aufgrund von Freizeitaktivitäten können zu einer Abwertung führen!

    Maßnahmen

    Als Grundlage für die Erstellung einer Maßnahmenplanung ist es sinnvoll gleichzeitig mit der Bewertung Maßnahmen zu formulieren, die wesentlich zur Sicherung eines günstigen Erhaltungszustandes (A/B) oder Verbesserung eines ungünstigen Erhaltungszustandes (C) beitragen! Diese müssen spezifisch für die jeweilige BT-Fläche sein. Typische Maßnahmen im Wald sind z. B.

    1. Voranbau / Unterbau mit LRT-typischen Gehölzen*
    2. Wiederaufforstung mit LRT-typischen Gehölzen*
    3. Erstaufforstung mit LRT-typischen Gehölzen*
    4. Förderung Naturverjüngung*
    5. Förderung bestimmter Baumarten*
    6. Fehlbestockung entnehmen*
    7. Fehlbestockung in Sonderbiotopen vorzeitig entnehmen*
    8. Fehlstellen / Verlichtung belassen
    9. Fläche stilllegen
    10. Flächen der Sukzession überlassen
    11. niederwaldartige Nutzung
    12. Waldrand anlegen/gestalten/pflegen*
    13. Bestockungsgradabsenkung*
    14. Wildschadensverhütung*
    15. Erhalt von Altholzanteilen*
    16. Sicherung von Horst-/Hohlenbäumen*
    17. Förderung vertikaler und horizontaler Strukturen*
    18. Erhalt von Totholz*
    * = bei den mit * gekennzeichneten Maßnahmen ist i. d. R. eine weitergehende Präzisierung erforderlich.