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Kartieranleitungen in Nordrhein-Westfalen


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Kartieranleitungen in Nordrhein-Westfalen


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Einleitung/Vorwort

In den FFH-Gebieten in Nordrhein-Westfalen werden die darin vorkommenden FFH-Lebensraumtypen bereits seit 1999 gemäß dieser vorliegenden Anleitung im Maßstab 1:5000 in der Objektklasse Biotoptypen (BT) erfasst.

Außerhalb der FFH-Gebiete werden im Regelfall nur diejenigen FFH-Lebensraumtypen als Biotoptypen auskartiert, die nach § 62 LG NRW Geschützte Biotope (Objektklasse GB) darstellen. FFH-Lebensraumtypen, die nicht nach §62 LG NRW geschützt sind (beispielsweise FFH-LRT 9110 Hainsimsen-Buchenwälder), werden außerhalb der FFH-Gebiete in der Objektklasse „Schutzwürdige Biotope“ (BK) dokumentiert, indem ihr prozentualer Anteil innerhalb des Schutzwürdigen Biotops abgeschätzt wird.

Codierung von FFH-Lebensraumtypen

FFH-Lebensraumtypen werden innerhalb des Biotoptyp- bzw. BK-Dokuments gekennzeichnet durch Angabe des in der FFH-Richtlinie vorgegebenen vierstelligen EU-Codes des jeweiligen FFH-Lebensraumtyps.

Je nach Bezug zum gesetzlichen Schutz durch §62 LG werden den zugehörigen Biotoptypencodes folgende drei Präfixe vorangestellt:

„x“: FFH-Lebensraumtyp
„y“: nach § 62 LG Geschützter Biotoptyp
„z“: sowohl FFH-Lebensraumtyp als auch nach § 62 LG Geschützter Biotoptyp

Beispiele:

Der Biotoptyp „AA1“ Hainsimsen-Buchenwald ist nur FFH-Lebensraumtyp, aber nicht nach § 62 LG geschützt. Folglich wird dem Biotoptyp ein „x“ vorangesetzt („xAA1“). Als Lebensraumtyp wird zusätzlich der FFH-Code „9110“ Hainsimsen-Buchenwald eingetragen.

Brachgefallenes Nass- und Feuchtgrünland (EE3), das den Kriterien des §62 LG NRW genügt, aber keinem FFH-Lebensraumtyp entspricht, wird als „yEE3“ codiert. Als Lebensraumtyp wird in diesem Falle an Stelle eines FFH-Lebensraumtyps der N-Lebensraumtyp „NEC0“ angegeben (N = naturschutzwürdig; siehe Entwurf der Kartierhilfe für die Erfassung der wertbestimmenden N-Lebensraumtypen in Nordrhein-Westfalen)

Ein lebendes Hochmoor, das sowohl den Kriterien dieser Kartierungsanleitung für den Lebensraumtyp 7110* (* = prioritärer FFH-LR) Lebendes Hochmoor als auch dem § 62 Biotoptyp „Moore“ entspricht, wird mit „zCA1“ „Hochmoor, Übergangsmoor-Torfmoos bzw. Binsenaspekt“ und dem FFH-Code „7110“ codiert.

Grundlagendaten für die Erstellung der Kartieranleitung der FFH-Lebensraumtypen in Nordrhein-Westfalen

Originäre fachliche Quelle für die Bestimmung und Zuordnung der FFH-Lebensräume sind die Angaben des „Interpretation manual“ der EU (s.u.). Dieses „EU-FFH-Handbuch“ liegt aktuell nur in englischer und französischer Sprache vor. Für eine Übertragung ins Deutsche kann in weiten Teilen das von BfN-Mitarbeitern erarbeitete „BfN-FFH-Handbuch“ als Referenz herangezogen werden. Darin sind die für Deutschland relevanten FFH-Lebensräume herausgefiltert und näher beschrieben. Bei in NRW wesentlichen Abweichungen von den im BFN-Handbuch dargestellten Positionen wird im folgenden explizit darauf hingewiesen.

Bei der Vor- und Nachbereitung der Kartierung und der Zusammenstellung der FFH-relevanten Daten für die Eingabe in die FFH-Datenbank sind auch die verfügbaren weiteren Informationsquellen (vorhandene Pflege- und Entwicklungspläne für Naturschutzgebiete, ökologische Gutachten, Angaben lokaler Experten, z.B. aus den Biologischen Stationen oder Naturschutzvereinen) zu nutzen (vor allem zur Aktualisierung der faunistischen Daten).

Für die im Rahmen der FFH-Gebietsmeldung notwendige Bewertung der FFH-Lebensräume liegt eine weitergehende Anleitung vor (MUNLV 2004). Der jeweilige Gesamt-Erhaltungszustand (A, B oder C) wird gemäß jener Anleitung für jeden einzelnen FFH-Lebensraumtyp in einem FFH-Gebiet ermittelt.

Dem zugrunde liegt folgende Definition (Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften, L 107, 40. Jg., 24. April 1997: Kommission 97/266/EG: „Entscheidung der Kommission vom 18. Dezember 1996 über das Formular für die Übermittlung von Informationen zu den im Rahmen von NATURA 2000 vorgeschlagenen Gebieten“, (angepasst an den Text in der FFH-Datenbank des BfN):

"A" sehr gut sehr guter Erhaltungszustand, unabhängig von der Wiederherstellungsmöglichkeit
"B" gut guter Erhaltungszustand, Wiederherstellung in kurzen bis mittleren Zeiträumen möglich
"C" mittel bis schlecht weniger gut erhalten, Wiederherstellung schwierig oder unmöglich

Für die nachfolgende Einzelbeschreibung der FFH-Lebensräume wurden folgende Informationsquellen aufeinander abgestimmt:

  • Interpretation manual of European Union Habitats Version EUR 15, European Commission, DG XI –Environment, Nuclear Security an Civil Protection; adopted by the habitats committee on 25 April 1996 (103 Seiten)
  • "BfN-Handbuch": Das europäische Schutzgebietssytem NATURA 2000 – BfN-Handbuch zur Umsetzung der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie und der Vogelschutz-Richtlinie, Schriftenreihe für Landschaftspflege Heft 53, BfN Bonn – Bad Godesberg 1998
  • Florenliste von NRW, Schriftenreihe der LÖLF, Bd. 10, 1996
  • Rote Liste der Pflanzengesellschaften in NRW, Schriftenreihe der LÖBF/LAfAO, Bd. 5, 1995.
  • Biotoptypen-Kartieranleitung NRW (Fassung 1998, ergänzt um erweiterte Biotoptypenliste 1999)
  • §62-Biotope in NRW, Kartieranleitung – Entwurf (jeweils aktueller Stand)
  • Forstliche Standortaufnahme, AK Standortskartierung in der AG Forsteinrichtung, 5. Aufl. 1996 (IHW-Verlag, München; ISBN 3-930167-18-2)
  • Die Pflanzengesellschaften Deutschlands, Richard Pott, 2. Aufl., Ulmer Verlag Stuttgart, 1995.
  • Buttler , K. P. & R. Hand (2008): Liste der Gefäßpflanzen Deutschlands. Kochia Beiheft 1. Berlin
  • Mdl. Mitteilungen von / Abstimmungen mit den Herren Dr. Hauke und Dr. Ssymank (BfN)
  • Mdl. Mitteilungen von / Abstimmungen mit den Herren Dr. Verbücheln, Rijpert, Dr. Stroscher und Dr. Hinterlang (LANUV)

Ziel ist es, speziell für die Kartierung in den verschiedenen Naturräumen in NRW, die FFH-Lebensräume so zu definieren und zu beschreiben, dass den Kartierern die Zuordnung eindeutig möglich ist. Dazu wurde für jeden Lebensraum ein Steckbrief erstellt, der die in der folgenden Tabelle erläuterten Informationen enthält. Dennoch ist schon vorab festzustellen, dass einige FFH-Lebensräume anhand der verfügbaren Quellen nicht eindeutig zu beschreiben sind. Auch sind nicht alle im Gelände auftretenden Ausprägungen, die z.T. Schwierigkeiten in der Zuordnung machen könnten, in einer Kartierhilfe vorweggenommen. Entsprechende, bei der Kartierung auftauchende Probleme sind umgehend mit dem betreuenden LANUV-Mitarbeiter abzuklären.