Titel:

FFH-Arten und Europäische Vogelarten


Logo:

FFH-Arten und Europäische Vogelarten


Schriftmenü:

Schriftgrösse: ||

Inhalt:

Artinformationen

Downloads

  • Kartierung / Erhebungsbogen

Verbreitungskarten

Neuntöter  (Lanius collurio Linnaeus, 1758)

EU-Code: A338

VS-Anh. I

Rote Liste 1999 NRW: 3
Rote Liste 2010 NRW: VS
Rote Liste D: *
Status in NRW: B; Erhaltungszustand in NRW (ATL): U
Status in NRW: B; Erhaltungszustand in NRW (KON): G↓

Neuntöter (Lanius collurio)
© Foto: Joachim Weiss, Lüdinghausen
Neuntöter (Lanius collurio)
© Foto: Heinz König, Menden

Der Neuntöter ist eine etwa 17 cm große Würgerart mit großem Kopf und relativ langem Schwanz. Er hat einen kräftigen Schnabel und zeichnet sich durch seine aufrechte Sitzhaltung aus. Bei den kontrastreich gefärbten Männchen sind Rücken und Flügel rostrot gefärbt, Scheitel und Bürzel sind grau. Der lange Schwanz ist schwarz mit einer weißen Seitenzeichnung. Das Gesicht ziert eine schwarze Augenbinde. Das unscheinbare Weibchen hat einen rostbraunen Kopf und Rücken sowie eine hellbraune Unterseite. Der Gesang ist relativ leise schwätzend mit zahlreichen Imitationen, und wird oftmals mit „dschäh“-Rufen begonnen oder beendet. Die Nahrung besteht vorwiegend aus Insekten (vor allem Käfer, Heuschrecke, Hautflüglern) und Spinnen. Es werden aber auch Kleinsäuger und ausnahmsweise Jungvögel gejagt. Die Beute wird in den Gebüschen gern auf Dornen aufgespießt, und als „Vorratslager“ genutzt. Der Neuntöter ist ein Zugvogel, der als Langstreckenzieher in Ost- und Südafrika überwintert. In Nordrhein-Westfalen kommt er als mittelhäufiger Brutvogel vor.

Neuntöter bewohnen extensiv genutzte, halboffene Kulturlandschaften mit aufgelockertem Gebüschbestand, Einzelbäumen sowie insektenreichen Ruderal- und Saumstrukturen. Besiedelt werden Heckenlandschaften mit Wiesen und Weiden, trockene Magerrasen, gebüschreiche Feuchtgebiete sowie größere Windwurfflächen in Waldgebieten. Die Brutreviere sind 1-6 ha groß, bei Siedlungsdichten von bis zu 2 Brutpaaren auf 10 ha. Das Nest wird in dichten, hoch gewachsenen Büschen, gerne in Dornsträuchern angelegt. Nach Ankunft aus den Überwinterungsgebieten erfolgt ab Mitte Mai die Eiablage (Hauptlegezeit Anfang/Mitte Juni), im Juli werden die letzen Jungen flügge.

In Nordrhein-Westfalen ist der Neuntöter in den Mittelgebirgslagen weit verbreitet. Im Tiefland bestehen dagegen nur wenige lokale Vorkommen. Das bedeutendste Brutvorkommen liegt im Vogelschutzgebiet „Medebacher Bucht“ mit etwa 600 Brutpaaren. Der Gesamtbestand wird auf etwa 7.000 Brutpaare geschätzt (2006/ÖFS).