Inhalt:
Artinformationen
- Kurzbeschreibung
- Schutzziele
- Steckbrief
- Gebiete
- Literatur
Downloads
Verbreitungskarten
Gemeine Flussmuschel (Unio crassus PHILIPSSON 1788)
(Syn.: Kleine Flussmuschel, Kleine Bachmuschel)
EU-Code: 1032
FFH-Anh. II, FFH-Anh. IV
Rote Liste 2010 NRW: 1
Rote Liste 1999 NRW: 1
Rote Liste D: 1
Erhaltungszustand in NRW (ATL): S
Erhaltungszustand in NRW (KON):
-
- Gemeine Flussmuschel (Unio crassus)
© Foto: Vollrath Wiese, Cismar
Die Gemeine Flussmuschel (Unio crassus) besitzt eine 40 bis maximal 110 mm lange, elliptische oder kurz-eiförmige Schale. Deren Klappen sind nahezu doppelt so lang wie hoch und dickschalig. Vorder- und Hinterende sind fast gleich gerundet. Die Außenhaut ist meist dunkelbraun gefärbt, kann aber auch hellbraun oder grünlich erscheinen. Die Wirbel sind mäßig erhoben und besitzen dichtstehende konzentrische Runzelfalten. Aus Nordrhein-Westfalen sind bisher die geographischen Rassen Unio crassus crassus (Philipsson 1788) und Unio crassus riparius (C. Pfeiffer 1821) beschrieben. Ob diese Unterscheidung nach modernen Methoden der Systematik aufrecht erhalten bleibt, ist allerdings fraglich.
Gemeine Flussmuscheln bewohnen Bäche und Flüsse mit klarem, schnell fließendem Wasser über sandigem und kiesigem Substrat.
Die Art ist getrenntgeschlechtlich. Zur Fortpflanzungszeit von April bis Juli verlagern die Weibchen die Eier von der Keimdrüse in die Bruttaschen am äußeren Kiemenpaar. Nach erfolgter Besamung entwickeln sich die Glochidien (Muschellarven), die im Mai bis August an das bewohnte Gewässer abgegeben werden. Sie haben einen Durchmesser von etwa 0,2 mm und sind mit einem kurzen Haftfaden versehen. Als Wirtsfischarten für die Glochidien kommen unter anderem die Elritze (Phoxinus phoxinus), der Dreistachlige Stichling (Gasterosteus aculeatus), der Neunstachlige Stichling (Pungitius pungitius), Döbel (Leuciscus cephallus) oder die Rotfeder (Scardinius erythrophthalmus) in Frage. Anders als bei der Flussperlmuschel lassen sich die Glochidien der Gemeinen Flussmuschel nach etwa 4 bis 6 Wochen von den Wirtsfischen abfallen und wandern für 2 bis 5 Jahre in die Gewässersohle. Die Art erreicht normalerweise ein Alter von 15 bis 35 Jahren, kann aber auch bis zu 50 Jahre alt werden. Als Filtrierer nehmen die Tiere Schwebe- und Sinkstoffe, deren Hauptanteil abgestorbene Mikroorganismen sind, als Nahrung zu sich.
Von der Gemeinen Flussmuschel sind in Nordrhein-Westfalen aktuell nur noch 2 Vorkommen mit Lebendfunden aus dem Einzugsbereich der Lippe (Kreis Paderborn) bekannt (2006). Zusätzlich liegen vom Rhein aus dem Bereich Düsseldorf vereinzelt frische Schalenfunde vor (2006). Im Rahmen eines speziellen Artenschutzprogramms werden die besiedelten Gewässer entsprechend der Lebensraumansprüche der Art optimiert. Im Jahr 2003 wurde ein Nachzuchtprogramm gestartet, das langfristig zur Stabilisierung des Bestandes beitragen soll.